Das richtige Objektiv für deine Kamera finden
Das richtige Objektiv ist das Wichtigste beim Fotografieren. Diese Aussage hört jeder, der mit dem Fotografieren anfängt. Und was soll ich sagen? Sie stimmt. Ich habe es anfangs auch nicht geglaubt, aber je länger ich fotografiert habe, desto unzufriedener wurde ich mit einigen Objektiven.
Die gute Nachricht ist: Du musst nicht gleich ein Superobjektiv kaufen. Fang ruhig mit einem günstigeren Modell an. So kannst du nach und nach herausfinden, welche Ansprüche du an ein Objektiv hast. Es wäre doch schade, wenn du ein teures kaufst und dann später feststellst, dass du lieber mit einem anderen fotografieren möchtest.

Welche Arten von Objektiven gibt es?
Nicht jedes Objektiv eignet sich für deine Zwecke. Deshalb ist es wichtig, sich zunächst über die verschiedenen Arten von Objektiven zu informieren. Zu den einzelnen Typen sage ich dir, für welchen Einsatzzweck sie sich vorwiegend eignen. Und los geht's.
Das Kit-Objektiv: Der typische Einstieg
Wenn du eine Kamera kaufst, wird oft auch ein Objektiv direkt mit angeboten. Dieses kostet meist nur einen kleinen Aufpreis. Es ist im Vergleich zu einzeln gekauften Objektiven relativ günstig. In der Regel handelt es sich dabei um ein Standard-Zoom-Objektiv mit mittlerem Brennweitenbereich. Typisch sind Bereiche wie 18 bis 55 Millimeter.
Ein solches Objektiv wird als Kit-Objektiv bezeichnet. Es ist dafür gedacht, dir den Einstieg in die Fotografie zu erleichtern. Damit kannst du viele typische Motive fotografieren. Dadurch bekommst du ein Gefühl dafür, welche Brennweiten du am häufigsten nutzt.
Gerade für Fotoanfänger ist ein Kit-Objektiv deshalb oft eine sinnvolle Wahl. Du kannst damit ausprobieren, welche Motive dir besonders liegen und welche Art der Fotografie dir am meisten Spaß macht. Erst danach lohnt es sich in der Regel, gezielt in weitere Objektive zu investieren.
Wenn du aber schon sehr genau weißt, was du fotografieren möchtest, kann sich der Kauf eines entsprechend geeigneten Objektivs vielleicht schon eher lohnen. Dafür musst du allerdings meist deutlich mehr Geld einplanen.
Denn eines solltest du wissen: Gute Objektive sind oft teurer als die Kamera selbst.
Zusammenfassung ▼
Kit-Objektive sind meist günstiger. Sie decken einen typischen Zoom-Bereich ab. Allerdings ist die Qualität eher mittelmäßig.
Zoom-Objektive und Reiseobjektive
Das Zoom-Objektiv ist für den Fotoanfänger sehr gut geeignet. Du kannst mit dem Objektiv Motive „heranholen“, bzw. zoomen, oder auch weitwinklig aufnehmen. Die meisten Objektive haben eine Brennweite von ungefähr 18mm bis 70mm.

Eine besondere Art ist das Super-Zoom-Objektiv. Es deckt einen wesentlich größeren Bereich ab. Damit kannst du weit entfernte Dinge sehr nah heranholen, also zoomen. Brennweiten von bis zu 250 mm sind keine Seltenheit. Doch das Ganze hat einen Nachteil. In der Regel leidet die Bildqualität und die Lichtstärke ist geringer. Es gibt zwar auch gute Superzoom-Objektive, aber die sind sehr teuer.
Wenn du die Werte des Zooms vergleichst, achte darauf, dass die Angaben immer den optischen Zoom betreffen. Digital zoomen kannst du nachher immer noch mithilfe der Fotobearbeitung.
Zusammenfassung ▼
Es gibt Zoomobjektive in allen Preisklassen. Es ist alles dabei. Meist wird ein großer Bereich abgedeckt, vom Weitwinkel bis zum Zoom. Festbrennweiten haben allerdings meist eine bessere Qualität.
Das Weitwinkelobjektiv (10mm bis 35mm)
Das Weitwinkelobjektiv ist besonders gut für Landschaftsaufnahmen geeignet. Natürlich kannst du damit auch andere Motive aufnehmen. Bei dieser Art des Objektivs bekommst du eine ganze Menge Landschaft auf das Foto. Ist die Brennweite unter 24 mm, spricht man von einem Superweitwinkel.

Beim Weitwinkel kommt es oft zu Verzerrungen bzw. krummen Linien. Diese kannst du allerdings mit einer Fotobearbeitungssoftware korrigieren. Die Lichtstärke ist dabei häufig nicht ganz so wichtig, da Landschaften meist bei gutem Licht fotografiert werden. Bei Innenaufnahmen sieht das jedoch anders aus. Hier solltest du ein lichtstarkes Objektiv verwenden, um ohne Blitz fotografieren zu können.
Zusammenfassung ▼
Ein Weitwinkelobjektiv ist gut geeignet für Landschafts- und Architekturfotografie sowie für Innenraum-Aufnahmen. Dabei können Verzerrungen auftreten. Für Porträts ist dieses Objektiv eher nicht geeignet.
Das Makro-Objektiv (Festbrennweite 40mm bis 180mm)
Mit dem Makro-Objektiv kannst du Dinge im Nahbereich ablichten und sie formatfüllend darstellen. Blumen, Insekten und andere Motive. Das Makro-Objektiv ist eine Festbrennweite. Du kannst also nicht hineinzoomen, sondern musst mit der Kamera nah an das Motiv herangehen. Achte beim Kauf eines Makro-Objektivs darauf, dass der Abbildungsmaßstab mit 1:1 angegeben wird. Bei kleinen Motiven ist eine größere Brennweite sinnvoll. Makro-Objektive können recht teuer und schwer sein.
Die Festbrennweite
Viele Fotografinnen und Fotografen empfehlen ein Objektiv mit einer Festbrennweite. Das bedeutet, dass du nicht am Rädchen drehen kannst, sondern der Bildausschnitt gleich bleibt.
Der Hauptgrund für diese Empfehlung ist, dass die Festbrennweite meist eine bessere Bildqualität und Lichtstärke aufweist. Der Nachteil ist, dass du nicht zoomen kannst. Du musst daher deinen Standpunkt ändern und dich bewegen, wenn du den Bildausschnitt umgestalten möchtest.
Festbrennweiten werden bevorzugt für Porträtaufnahmen genutzt. Ich nutze eine Festbrennweite meist dann, wenn ich weiß, was mich erwartet und was ich fotografieren werde. Fahre ich an einen unbekannten Ort und bin nicht sicher, was mich dort erwartet, nehme ich meist ein Zoom-Objektiv mit.
Worauf du beim Kauf eines Objektivs achten solltest
Bildqualität
Die Konstruktion eines Objektivs ist ein aufwändiger Prozess. Wenn etwas komplex in der Produktion ist, hat das unmittelbar Einfluss auf den Preis. Daher gilt leider: Je besser die Qualität, desto teurer das Objektiv.
Im Umkehrschluss bedeutet das allerdings nicht, dass ein hochpreisiges Objektiv automatisch eine hervorragende Qualität hat. Wenn du jedoch ein billiges Objektiv kaufst, kannst du davon ausgehen, dass die Bildqualität eher schlecht ist.
Preis
Wir haben festgestellt, dass der Preis stark von der Bauweise und der Bildqualität abhängt. Für den Anfang reicht sicherlich ein Objektiv mittlerer Qualität. Verzichte dabei auf extreme Brennweiten. Tipp: Es gibt sehr gute und günstige 50-mm-Festbrennweiten.
Größe und Gewicht
Wenn du mit der Kamera viel unterwegs bist, sind auch Größe und Gewicht entscheidend. Man trägt nicht gerne mehrere Kilo durch die Gegend. Ich zumindest nicht. Die Art des Objektivs hat oftmals auch Einfluss auf die Spanne, in der sich das Gewicht der Objektive bewegt.
Lichtstärke und maximale Blendenöffnung
Neben der Bildqualität ist die Lichtstärke ein Punkt, der den Preis des Objektivs beeinflusst. Wenn du bei gutem Licht fotografierst, ist die Lichtstärke für die Auswahl des Objektivs nicht ganz so wichtig.
Wenn du jedoch in Innenräumen ohne Blitz und bei schlechten Lichtverhältnissen fotografieren möchtest, achte auf eine gute Lichtstärke. Das gilt auch für einen größeren Zoom, da du hier mit einer kürzeren Belichtungszeit rechnen musst. Wenn du hingegen ein Stativ nutzt, ist die Lichtstärke wiederum nicht ganz so wichtig.
Bildstabilisatoren
Wie der Name sagt, wird das Bild stabilisiert. Eine eventuelle Verwackelung wird reduziert. Natürlich nur in einem gewissen Ausmaß. Konkret kannst du damit bei einer längeren Belichtungszeit Fotos schießen, die dir ohne Bildstabilisator nicht gelingen würden. Es sei denn, du fotografierst mit Stativ. In diesem Fall solltest du den Bildstabilisator ausschalten. In der Sportfotografie wird die Kamera mitgeführt und bewegt. Da kann der Bildstabilisator unter Umständen nachteilig sein. Bei vielen Kameras kann man ihn deaktivieren.
Hinweis: Bildstabilisatoren können sich in der Kamera oder im Objektiv befinden.
Makroaufnahmen und Naheinstellgrenze
Für Makroaufnahmen musst du beim Objektiv auf die Naheinstellgrenze achten. Diese gibt an, wie nah du mit der Kamera an das Motiv herangehen kannst. Genauer gesagt ist das der Mindestabstand zwischen Motiv und Sensor. Ob eine kurze oder eine längere Naheinstellgrenze für dich wichtig ist, hängt von der Art des Objektivs ab.
Checkliste: Das richtige Objektiv für Einsteiger finden
Wenn du dein erstes Objektiv auswählst oder ein weiteres kaufen möchtest, helfen dir die folgenden Punkte bei der Entscheidung.
Welche Motive fotografierst du hauptsächlich? Überlege dir zuerst, welche Motive du am häufigsten fotografieren möchtest. Das Motiv bestimmt in vielen Fällen die passende Brennweite und somit die Art des Objektivs.
Welche Objektivart passt zu deinem Motiv?
- Kit-Objektiv (z. B. 18-55 mm): Gute Wahl für Einsteiger. Deckt viele typische Situationen ab.
- Zoom- oder Reiseobjektiv: Flexibel einsetzbar. Gut geeignet für Reisen und unterschiedliche Motive.
- Weitwinkelobjektiv: Ideal für Landschaften, Architektur und Innenräume.
- Makroobjektiv: Für Nahaufnahmen von kleinen Motiven wie Blumen oder Insekten.
- Festbrennweite: Sehr gute Bildqualität und Lichtstärke. Besonders beliebt für Porträts.
Achte auf die Brennweite: Die Brennweite bestimmt, wie viel von der Szene auf das Foto passt.
- kleine Brennweite = viel Umgebung auf dem Bild
- große Brennweite: entfernte Motive erscheinen näher
Prüfe die Lichtstärke: Die maximale Blendenöffnung entscheidet darüber, wie gut du bei wenig Licht fotografieren kannst. Das ist wichtig für Innenräume oder Abendaufnahmen und auch wichtig für Porträtfotografie mit unscharfem Hintergrund
Gewicht und Größe berücksichtigen: Wenn du viel unterwegs bist, spielt das Gewicht eine Rolle.
- Große Zoomobjektive können relativ schwer sein.
- Kleine Festbrennweiten sind dagegen meist leicht und kompakt.
Bildstabilisator sinnvoll oder nicht? Ein Bildstabilisator kann Verwacklungen reduzieren. Er ist hilfreich bei längeren Belichtungszeiten.
Preis realistisch einschätzen: Gute Objektive sind häufig teurer als die Kamera selbst. Für den Einstieg gilt:
- Mittlere Qualität reicht oft aus.
- Extreme Brennweiten sind meist teurer.
- Eine einfache Festbrennweite kann ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis haben.